Wahre Leben und gläserne Utopien: 610.000 Euro kulturelle Entwicklungsförderung für 20 Drehbücher und Treatments

Pressemitteilung vom 16.07.2026

Die Jury für Entwicklungsförderung hat in zwei Sitzungen zusammen 400.000 Euro kulturelle Drehbuchförderung für acht Spielfilme vergeben. Weitere zwölf Projekte, darunter fünf Dokumentarfilme, erhalten 210.000 Euro Treatmentförderung. Insgesamt wurden somit 20 Filmprojekte mit 610.000 Euro gefördert.

Die Bandbreite der drehbuchgeförderten Spielfilmprojekte reicht von Timm Krögers, Roderick Warichs und Sandra Wollners Abenteuergeschichte „Das letzte Radio“ über Daniel Schwarz‘ und Nana Heymanns Komödie „Das wahre Leben“ und die Dramen „About The Man I Know / Ein alter Bekannter“ von Feras Fayyad, „Das Ende nicht“ von Gerrit Hermans sowie „Die Klassengemeinschaft“ von Susan Gordanshekan bis hin zu drei Debütfilmen: Vic So Hee Alz‘ Western „Ich vergesse dir!“ (AT), Philipp Fusseneggers Science-Fiction-Geschichte „Kokeshi“ und Florian Forschs Thriller „Landratte“.

Auch unter den geförderten Treatments sind drei Debüts: Aleksandr Kims und Alisa Kolosovas Drama „Aus dem Dunkeln“, Sebastian Anton Kurtins Komödie „Das Dorf brennt, die Oma kämmt sich“ und Julia Kellers auf wahren Begebenheiten beruhender Kriminalfilm „Die Frau ohne Zimmer“. Zu den Projekten mit Treatmentförderung zählen auch Shahrbanoo Sadats Komödie „My Taliban Boyfriend“, die historischen Dramen „Fatma“ von Ipek Zübert und „MR ‘84“ von Heike Rübbert und Yvonne Jasmin Görlach, Lucia Chiarlas Gesellschaftsdrama „Am Strand der Diplomatie“ (AT) und fünf Dokumentarfilme: „Crystal Utopia“ (AT) von Juliane Henrich, „Die Kunst des Nichtsehens“ von Ibrahim Nash’at, „Himmel über Holzdorf“ von Steffi Wurster, „In The Arms Of The Floating World“ von Judith Beuth und Andrew Grant sowie „Jenseits von Europa – Der Preis der Abschottung“ (AT) von Maximilian Jonas Ahrens und Maik Lüdemann.

Die Förderung im Detail:

Drehbuchförderung

ABOUT THE MAN I KNOW / EIN ALTER BEKANNTER
Drehbuch: Feras Fayyad
Förderung: 50.000 Euro
Nach fünfzehn Jahren in Syriens berüchtigtstem Militärgefängnis gelingt einem Filmkritiker die Flucht. In der Uniform eines toten Soldaten geht er ein gefährliches Bündnis mit einem wortkargen Motorradfahrer ein, der ihn durch ein zerfallendes Land bringt. Sie teilen sich ein Motorrad und eine Vergangenheit, die keiner von beiden zu benennen wagt, bis das Opfer entdeckt, dass sein Reisegefährte zu den Männern gehörte, die an seiner Folterbeteiligt waren. 

DAS ENDE NICHT
Drehbuch: Gerrit Hermans
Förderung: 50.000 Euro
Toni Pfülf und Louise Schröder kämpfen als Reichstagsabgeordnete der SPD mit allen demokratischen Mitteln darum, die Regierung Hitler zu verhindern, bis ihre Freundschaft und sie selbst daran zu zerbrechen drohen.

DAS LETZTE RADIO
Drehbuch: Timm Kröger, Roderick Warich, Sandra Wollner
Förderung: 50.000 Euro
1997. Die 14-jährige Miriam glaubt fest daran, dass ihr totgeglaubter Bruder noch lebt – und findet ihn in den Fängen einer gnostischen Sekte, die von einer Insel im Mittelmeer aus operiert. Das Projekt erhielt bereits FFA-Treatmentförderung.

DAS WAHRE LEBEN
Drehbuch: Daniel Schwarz, Nana Heymann
Förderung: 50.000 Euro
Rio, in der Midlife-Krise, befragt seine Mutter Rita nach seinem Vater, den er nie kennengelernt hat. Wir tauchen in die 80er Jahre in West-Berlin ein und erfahren, dass sein Vater Ömer hieß und damals als junger Gastarbeiter in keine Disko reinkam – ein Niemand. Das änderte sich, als Ömer per Tagesvisum nach Ost-Berlin fuhr und sich als Italiener ausgab. Er traf Rita, verliebte sich und bekam Rio mit ihr – wovon Ömers Ehefrau in West-Berlin nicht wusste. Dann fiel die Mauer… 

DIE KLASSENGEMEINSCHAFT
Drehbuch: Susan Gordanshekan
Förderung: 50.000 Euro
Roya und Nassima verbindet eine enge Freundschaft. Nach einem Vorfall in ihrem Umfeld werden sie aufgrund ihrer Herkunft zu Projektionsflächen und geraten immer stärker ins Abseits ihrer Klasse. Eines Tages fasst Roya den Entschluss, Nassima als Täterin und sich selbst als Opfer zu inszenieren, um ihren Status in der Klassengemeinschaft zurückzuerlangen.

ICH VERGESSE DIR! (AT)
Drehbuch: Vic So Hee Alz
Förderung: 50.000 Euro
Auf einer abgelegenen Selbstversorgerfarm wachsen eine Neuankommende, eine Einsiedlerin und eine Reisende zu einer fragilen Gemeinschaft zusammen – bis das stille Entgleiten der Hüterin der Farm ihre Rollen verschiebt und sie zwingt, neu auszuhandeln, was Schutz wirklich bedeutet: halten oder loslassen.

KOKESHI
Drehbuch: Philipp Fussenegger
Förderung: 50.000 Euro
Ein Mann, der beruflich KI-Inhalte auf Echtheit prüft, verliebt sich nach einem Unfall in seine Care-Unit – und erkennt, dass die einzige Liebe, die sich für ihn je echt anfühlte, darauf programmiert ist, ihn zu verlassen. Das Treatment zum Projekt wurde mit FFA-Referenzmitteln für Autor*innen entwickelt. 

LANDRATTE
Drehbuch: Florian Forsch
Förderung: 50.000 Euro
Für einen Zehnjährigen wird ein Segelurlaub zum Albtraum, als sein Stiefvater die Familie in einen Strudel aus Kontrolle und unsichtbarer Gewalt zieht. Auf offener See muss er sich entscheiden: seine Mutter retten – oder sich selbst. 

Treatmentförderung 

AM STRAND DER DIPLOMATIE (AT)
Treatment: Lucia Chiarla
Förderung: 17.500 Euro
In einem Europa, das nach rechts rückt und aufrüstet, wirft der 80-jährige Giuse eine Tomate auf den mächtigsten Mann der italienischen Rüstungsindustrie. Seine Tochter Chiara, Diplomatin in Deutschland, wird zurück nach Italien gerufen, um den Schaden zu begrenzen. Doch Giuse wird zum Symbol des Protests. Im Schatten ihrer politisch gespaltenen Familie versucht Chiara, einen Prozess zu vermeiden, während die Regierung den Fall instrumentalisiert… 

AUS DEM DUNKELN
Treatment: Aleksandr Kim, Alisa Kolosova
Förderung: 17.500 Euro
Akim, ein geflüchteter Transmann, kämpft in Deutschland gegen die Abschiebung, doch steht er sich selbst dabei im Weg, frei zu leben: Geplagt von der Ablehnung seiner Mutter, kann er keine Nähe zulassen und lebt in ständiger Scham vor sich selbst. Erst in der Beziehung zu der Geflüchteten Maja und ihrem Kind sowie in seiner Ausbildung in einem Altenheim muss er sich zum ersten Mal öffnen und lernt dabei, sich selbst anzunehmen. 

CRYSTAL UTOPIA (AT)
Treatment: Juliane Henrich
Förderung: 17.500 Euro
Der Essayfilm verfolgt das utopische Potenzial von Glas im Wettstreit der politischen Systeme – vom sozialistisch motivierten Geheimbund der Gläsernen Kette, der sich nach der Novemberrevolution zusammenfand, zum Ost-Berliner Palast der Republik, der im gläsernen Burj Khalifa in Dubai aufging, bis in die Gegenwart – aus der Glasfaserkabel und Smartphone Screens nicht wegzudenken sind. Werden wir mittels Überwachungstechnologie zu Menschen aus Glas? 

DAS DORF BRENNT, DIE OMA KÄMMT SICH
Treatment: Sebastian Anton Kurtin
Förderung: 17.500 Euro
Die 15-jährige Lora fühlt sich nach der Rückkehr aus Deutschland weder in Kroatien noch in sich selbst zu Hause. Als plötzlich Versionen von ihr erscheinen, die jeweils perfekt die Rollen erfüllen, die andere von ihr erwarten, muss sie entscheiden, wer sie wirklich sein will – bevor eine dieser Varianten ihr Leben übernimmt. 

DIE FRAU OHNE ZIMMER
Treatment: Julia Keller
Förderung: 17.500 Euro
Im Zweiten Weltkrieg stiehlt sich die elegante jüdische Exilantin Erika B. durch die Grandhotels der Schweiz, um mit vorgetäuschtem Wohlstand im Land bleiben zu können – bis der Zürcher Spezialermittler Heusser eine kantonsübergreifende Jagd auf sie eröffnet und das fragile System aus Lügen, Luxus und Diebstahl zerstört, das ihr und ihrer Familie das Überleben sichert. 

DIE KUNST DES NICHTSEHENS
Treatment: Ibrahim Nash'at
Förderung: 17.500 Euro
In einem abgelegenen Dorf in Mauretanien wird einer Familie, die seit neun Generationen von Grauem Star betroffen ist, Heilung versprochen. Doch die Ältesten lehnen die Behandlung ab, da sie ihre Blindheit als spirituelle Kraft sehen, die es ihnen ermöglicht, in der zunehmend ausgedörrten Sahara Wasser zu finden. 

FATMA
Treatment: Ipek Zübert nach dem Roman „Die Königsdame“ von Sabine Weigand
Förderung: 17.500 Euro
Nach der Niederlage der Osmanen wird Fatma als Kriegsbeute an August den Starken verschenkt. Traumatisiert und stumm, findet sie in Gräfin Cosel eine Mentorin. Doch als August um Fatma wirbt und sie seine Geliebte wird, sinnt Cosel auf Rache. Während August im Krieg ist, inszeniert sie Fatma als Verräterin. Fatma muss ihre Unschuld beweisen und zwischen alter Heimat und neuer Liebe wählen – in einem tödlichen Spiel um Macht, Verrat und Zugehörigkeit am prachtvollsten Hof Europas. 

HIMMEL ÜBER HOLZDORF
Treatment: Steffi Wurster
Förderung: 17.500 Euro
Systeme kommen und gehen, doch die Menschen bleiben – unter einem umkämpften, doch immer gleichen Himmel. Der Film porträtiert ein Dorf in Sachsen-Anhalt, einst NVA-Flughafen, das zu einem zentralen NATO-Luftwaffenstützpunkt ausgebaut wird. Aus dem früheren Freund im Osten wurde ein Feind. 

IN THE ARMS OF THE FLOATING WORLD
Treatment: Judith Beuth, Andrew Grant
Förderung: 17.500 Euro
Echte Verbindung ist eines unserer tiefsten menschlichen Bedürfnisse – und in einer Zeit zunehmender Einsamkeit immer schwerer zu finden. Tokios Host-Clubs, wo Frauen für Romantik bezahlen, sind kein Randphänomen: Sie sind Seismografen einer weltweiten Verschiebung. 

JENSEITS VON EUROPA - DER PREIS DER ABSCHOTTUNG (AT)
Treatment: Maximilian Jonas Ahrens, Maik Lüdemann
Förderung: 17.500 Euro
Europa schottet sich ab – doch wer zahlt den Preis? Über mehrere Jahre begleiten wir Mahtab Sabetara im Kampf um die Freiheit ihres Vaters Homayoun, der auf der Flucht nach Europa in Griechenland wegen angeblichen Menschenschmuggels zu 18 Jahren Haft verurteilt wurde. 

MR '84
Treatment: Heike Rübbert, Yvonne Jasmin Görlach
Förderung: 17.500 Euro
1984. Auf einer DDR-Studienfahrt zeigt eine Gruppe Marburger Schüler*innen Zivilcourage und verhilft einem jungen Mann spontan zur Flucht. Die heldenhafte Tat schlägt große Wellen, wofür sie erst gefeiert und dann für ihren Leichtsinn ausgegrenzt und bestraft werden.

MY TALIBAN BOYFRIEND
Treatment: Shahrbanoo Sadat
Förderung: 17.500 Euro
In Kabul nach der Machtübernahme der Taliban widersetzt sich eine schlagfertige TikTok-Influencerin den Einschränkungen, provoziert Soldaten und filmt heimlich Content. Ohne Zugang zu Bildung oder Arbeit plant sie ihre Flucht, indem sie politischen Aktivismus für einen Asylantrag inszeniert. Dafür braucht sie einen bedrohlichen Taliban-Brief – also flirtet sie mit einem jungen Soldaten.

Die angegebenen Fördersummen enthalten jeweils 40.000 Euro Förderung bei den Drehbüchern und 15.000 Euro bei den Treatments sowie die Möglichkeit, bei Erforderlichkeit Beratungsleistungen zur Steigerung der Stoffqualität in Höhe von jeweils 10.000 Euro bzw. 2.500 Euro heranzuziehen.

Genderübersicht – Jurybasierte kulturelle Treatment- und Drehbuchförderung (8. und 9. Sitzung):
155 Anträge, davon
80 von/mit Beteiligung weiblicher oder non-binärer Autor*innen

20 geförderte Projekte, davon
13 von/mit Beteiligung weiblicher oder non-binärer Autor*innen

An der achten und neunten Sitzung nahmen in jeweils unterschiedlicher Besetzung Melissa de Raaf, Behrooz Karamizade, Martin Hagemann, Tyron Ricketts, Heide Schwochow, Saralisa Volm, Elena von Saucken und Nico Woche teil.

Die nächste Fördersitzung der Jury für Entwicklungsförderung findet am 23. und 24. September 2026 statt, Einreichfrist für die darauffolgende Sitzung im Dezember ist der 14. September. Zur Übersicht der kommenden Einreich- und Sitzungstermine

Alle Förderergebnisse finden Sie hier.

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