Short Tiger 2026
Die gemeinsame Kurzfilminitiative von FFA und German Films vergibt zum 16. Mal den SHORT TIGER AWARD an die besten Kurzfilme fürs Kino. Die ausgezeichneten Filmemacher*innen erhalten ein zweckgebundenes Preisgeld von jeweils 5.000 Euro für neue Projekte und einen Vertrag mit einem Kurzfilmverleih, der die Filme schnell und unkompliziert ins Kino bringt. Gastgeber für die Preisverleihung sowie die Premiere des Programms NEXT GENERATION SHORT TIGER ist im April 2026 zum sechsten Mal das Filmfest Dresden. Die Jury bestand aus Regisseurin Anna Roller, Kurzfilmverleiherin Sarah Dombrink (interfilm Berlin) und Kinobetreiber Andreas Heidenreich (Vorstand im Bundesverband kommunale Filmarbeit, Kommunales Kino Weiterstadt).
BRAVE NEW PAST
Fake-Dokumentarfilm ⸱ 2026 ⸱ 4:32 Min. ⸱ Deutsch
REGIE / DREHBUCH / KAMERA / SCHNITT / MUSIK / PRODUKTION Erik Schmitt
MIT Erik Schmitt
EINE PRODUKTION VON Seven Elephants
Ein Mann durchlebt seine Kindheit anhand von Super-8-Aufnahmen – von der Geburt über erste Schritte bis hin zu fantastischen Abenteuern mit seiner Großmutter. Je surrealer die Erinnerungen werden, desto drängender wird die Frage: Was geschieht mit uns, wenn unsere Vergangenheit nicht nur erinnert, sondern neu generiert werden kann?
ERIK SCHMITT, geboren 1980 in Mainz, studierte Kommunikationswissenschaften in München, Berlin und Melbourne. Er produzierte, schrieb und inszenierte zahlreiche Kurzfilme, die auf mehr als 300 internationalen Festivals gezeigt wurden und mit über 100 Preise ausgezeichnet wurden, darunter der SHORT TIGER 2017 für „Die Santa Maria“. Er experimentierte mit Techniken wie Stop-Motion und Pixilation, spielte mit Perspektiven und besonderen Sets. 2018 war er Mitbegründer der Produktionsfirma Seven Elephants, die sein Spielfilmdebüt „Cleo“ und seinen traumartigen zweiten Spielfilm „Das Leben der Wünsche“ (2025) produzierte.
Kurze Super-8-Sequenzen von Momenten der Kindheit – von der Geburt über den Strandbesuch mit Elefanten und Pinguinen zum Raketenstart. Mit „Brave New Past“ fragt Erik Schmitt: „Wenn Vergangenheit nicht mehr nur dokumentiert, sondern generiert wird – welche Zukunft erwartet uns?“ Vermeintlich nostalgische Erinnerungen wandeln sich mit zunehmender Künstlichkeit in Unbehagen. Experimentierfreudig und kritisch blickt der Film auf eine Gegenwart, in der anhand eines maschinengenierten Blicks alles veränderlich ist und die Bilder in unseren Köpfen die Bilder auf unseren Bildschirmen werden können. In der Offenlegung der Künstlichkeit bringt „Brave New Past“ – mit Referenz zu Huxleys „Brave New World“ – Fragen nach einer moralischen Dimension, von Begrenzung und Verantwortung im Umgang mit künstlich generierten Bildern auf. Fragen, die wir uns gesellschaftlich nicht erst stellen sollten, wenn die Vergangenheit nicht mehr fragmentarischen Erinnerungen und Erzählungen gehört, sondern in der Gegenwart künstlich erschaffen wird.
FRAGIL
Spielfilm ⸱ 2026 ⸱ 6:33 Min. ⸱ Deutsch
REGIE / DREHBUCH Laurenz Otto, Miri Klischat
KAMERA Miri Klischat, Laurenz Otto
SCHNITT Mika Kopischke
TONGESTALTUNG Johannes Grote
CAST Carla Gesthuisen, Dara Dyckerhoff, Nola Friedrich
PRODUKTION Miri Klischat, Laurenz Otto
EINE PRODUKTION DER Kunsthochschule für Medien Köln
Zwischen Taubengurren und Zugrattern treffen drei junge Frauen unter der Kölner Südbrücke aufeinander und verhandeln das Ende einer Ära.
MIRI KLISCHAT, geboren 1995 in Wuppertal, schloss ihr Film & Sound-Studium an der Fachhochschule Dortmund mit dem Kurzfilm „When I Bleed“ ab. Seit 2023 studiert sie postgradual Mediale Künste an der Kunsthochschule für Medien Köln mit Schwerpunkt Drehbuch und Regie und entwickelt aktuell ihr Spielfilmdebüt.
LAURENZ OTTO wurde 1994 in Jakarta, Indonesien, geboren und wuchs in Köln auf. Er studierte Regie an der ifs Internationale Filmschule Köln und schloss 2021 mit dem mehrfach ausgezeichneten Kurzfilm „Allen Zweifeln zum Trotz“ (NEXT GENERATION 2022) ab. Er arbeitet an seinem Langfilmdebüt „Who Is Your Daddy“ und sieht Kino als lebendigen Raum zwischenmenschlicher Begegnungen.
Mit „Fragil“ erzählen Miri Klischat und Laurenz Otto ein reduziertes, fast spielerisches Porträt des Abschieds von einer gemeinsamen Zeit. Die Verbundenheit steht neben angedeuteten Verletzungen, beides hat Raum. In choreografisch anmutenden Bildern bewegen sich die drei Hauptfiguren auf das Ritual zur Verabschiedung hin, das einen Neuanfang einleitet. Hoffnungsvoll und verletzlich zugleich ist die Erzählung wie eine Umarmung. Sie handelt von dem, was uns trotz großer Veränderungen verbindet.
GAÏA
Animation ⸱ 2025 ⸱ 4:08 Min. ⸱ Französisch
REGIE / DREHBUCH / STIMME Gwenola Heck
KAMERA Franziska Kabutke
ANIMATION Gina Stephan, Malte Fasold, Oscar Jacobson, Levi Köhler, Amelie Kahlo, Iris Maier, Sofi Shapir, Jonas Härtlein, Fatima Wajid, Gwenola Heck
SCHNITT Jan Wollenschläger
MUSIK Perschya Chehrazi, Malte Hartleb
PRODUKTION Liubov Popova
EINE PRODUKTION DER Filmakademie Baden-Württemberg
Gaïa ist ein Planet, der von Menschen bewohnt wird. Nachdem sie all ihren Raum genutzt haben, versuchen sie, eine neue Welt zu erschaffen, indem sie ihre Eizelle befruchten.
GWENOLA HECK studierte ab 2019 am Animationsinstitut der Filmakademie Baden-Württemberg und schloss 2025 ihr Studium mit ihrem Diplomfilm GAЇA ab. Für ihre experimentellen Animationsfilme setzt sie Techniken ein, die sich um 2D-Animation und Stop-Motion drehen. Darüber hinaus arbeitet sie auch im Bereich Produktionsdesign.
Gaïa ist ein Planet, ein weiblicher Körper, der von Menschen bewohnt wird. Doch der Platz wird knapp, und die Bevölkerung beschließt, eine Eizelle zu befruchten, um neuen Lebensraum zu schaffen – lässt Gaïa das zu? In Gwenola Hecks Animationsfilm verschwimmen die Ausbeutung von Natur und weiblichen Körpern thematisch und visuell und zeigen damit die ökofeministische Haltung der Regisseurin, ohne dass der Film dabei dogmatisch wirkt. Die experimentelle 2D-Lasercut-Animation kreiert eine haptische Welt in warmen Brauntönen, die sich wie aus unzähligen zarten Scherenschnitten zusammensetzt. In kreativen, detailreichen Bildern wird der Körper zu einer ganzen Welt: Seilbahnen rattern auf Zähnen, Windräder drehen sich in der Lunge. Am Ende trifft Gaïa eine Entscheidung für sich – leise und unaufgeregt, aber radikal.
IMMERHIN
Animation ⸱ 2026 ⸱ 2:31 Min. ⸱ Deutsch
REGIE / PRODUKTION Olaf Held, Jens Rosemann
DREHBUCH Olaf Held
KAMERA / ANIMATION / SCHNITT Jens Rosemann
MUSIK Frédéric Chopin
STIMMEN Jan Kummer, Beate Düber
EINE PRODUKTION VON Kumpels & Friends Animation
Zwei Bauarbeiter streiten sich über Bremswege und ein Ehepaar spricht über Katastrophenfilme, in denen die Menschheit nur noch eine Woche zu leben hat. Immerhin.
OLAF HELD, geboren 1970 in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), ist seit 2001 Teil der Chemnitzer Filmwerkstatt. Von 2006 bis 2011 studierte er Drehbuch und Dramaturgie an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Seit 2011 ist er als freischaffender Regisseur, Dramaturg und Drehbuchautor tätig. Seine preisgekrönten Kurz- und Langfilme – darunter der mit dem SHORT TIGER 2025 ausgezeichnete „Spätsommer 91“ – wurden auf zahlreichen internationalen Festivals gezeigt.
JENS ROSEMANN wurde 1976 geboren und ist im Erzgebirge aufgewachsen. Er studierte Kommunikationsdesign an der Hochschule Anhalt in Dessau. Seit 2011 ist er als freiberuflicher Animationsfilmregisseur, Animator und Illustrator unter dem Label „Kumpels & Friends | Animation“ tätig. Er lebt und arbeitet in Leipzig.
Auswahlkommissionen von Kurzfilmfestivals haben einen Horror davor, dass sich der nächste Film nur auf seine Schlusspointe verlässt oder mit Klaviermusik unterlegt ist. Der Animationsfilm von Olaf Held und Jens Rosemann erfüllt immerhin die Kriterien Schlusspointe und Klaviermusik. Allerdings schafft es der Shortest Tiger 2026 mit einer Aneinanderreihung von Pointen die Situation bis zum großen Knall immer weiter zuzuspitzen und bringt uns in nur zweieinhalb Minuten vier Personen nahe, während die Tonspur so souverän auf der Klaviatur des Humors spielt, dass Lokalkolorit und Weltraum eine natürliche Einheit bilden. Urkomisch, auch wenn die dargestellten Ereignisse nicht nur für Auswahlkommissionen eine Horrorvorstellung sind.
RADIX
Animation ⸱ 2025 ⸱ 4:14 Min. ⸱ Kein Dialog
REGIE / DREHBUCH / SCHNITT / PRODUKTION Anne Breymann
KAMERA Björn Ullrich
ANIMATION Anne Breymann, Jonatan Schwenk
TONGESTALTUNG Michał Krajczok
Zwei Wesen begegnen sich auf einem Baum. Sie kommen sich näher und gewähren einander Einblick in ihr Innerstes bis tief zu den Wurzeln.
ANNE BREYMANN ist Künstlerin, Animationsfilmerin und Puppenbauerin in Berlin. Sie erfindet phantasmagorische Miniaturwelten und erweckt diese mit Animationen, Skulpturen und Dioramen zum Leben. Ihre Kurzfilme wurden weltweit auf zahlreichen Filmfestivals gezeigt und ausgezeichnet.
Zwei Fabelwesen, halb Vogel, halb pflanzliches Wurzelgeflecht, begegnen sich auf einem Baum. Und schon bevor ihre Interaktion beginnt, zieht der Film in seinen Bann: Fast jedes Bild funktioniert auch als Einzelbild, man verlässt die eigene Realität, versinkt in einer Traumwelt. Weil die Bilder aber bewegt sind, in liebevoller handgemachter Stop-Motion-Technik, bilden sich Assoziationen zur eigenen Wirklichkeit, hinein in das Innerste. Von der fantastischen Animation über die großartige Kamera bis zum traumartigen Sounddesign verbinden sich in „Radix“ von Regisseurin, Autorin und Produzentin Anne Breymann Kunst und Technik auf höchstem Level zu vier Minuten, die lange nachhallen.
Buchung der ausgezeichneten Filme
Die SHORT-TIGER-Filme 2026 können gebucht werden bei:
Kurzfilm Verleih Hamburg
der Kurzfilm Agentur Hamburg e.V.
Bodenstedtstraße 16
D-22765 Hamburg
Fon: +49-40-39 10 63 18
Fax: +49-40-39 10 63 20
verleih@shortfilm.com
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