495.000 Euro kulturelle Entwicklungsförderung für 19 Drehbücher und Treatments
Pressemitteilung vom 08.05.2026
In ihren ersten beiden Sitzungen des Jahres hat die Förderjury zusammen 250.000 Euro kulturelle Drehbuchförderung für fünf Spielfilmprojekte vergeben. Weitere 14 Projekte, mehr als die Hälfte davon Dokumentarfilme, erhalten 245.000 Euro Treatmentförderung. Insgesamt wurden somit 19 Filmprojekte mit 495.000 Euro gefördert.
Drehbuchförderung wurde in der sechsten Sitzung für die in Siebenbürgen angesiedelte schwarze Komödie „Requiem For a Small-Town Lawyer” von Réka Kincses und die Coming-of-Age-Geschichte „Still war der Sommer“, das Langfilmdebüt von Gabriel Bihina Arrahnio, vergeben. Treatmentförderung erhielten das Drama „Porös“ (AT) von Katharina Lüdin und die Debüt-Spielfilme „Die Zofe“ (AT) von Lina Sieckmann sowie „Not Coming Out“ von Pascal Schuh, dessen Thema einer historischen Premierenfeier an einem historischen Abend auch in einem im vergangenen Jahr von der Jury für Dokumentarfilm geförderten dokumentarischen Filmprojekt von Yony Leyser behandelt wird. Gefördert wurden außerdem fünf Dokumentarfilm-Treatments: Aysun Bademsoys Begegnung mit den Protagonisten ihres Films von 1999 und deren Familien in „Deutsche Polizisten 2“ (AT), Alexandra Sells Blick hinter die Bauzäune großer Kulturbauten in „Goldstaub“, Natalija Yefimkinas Beobachtung der Rückkehr ukrainischer Landwirt*innen auf ihre – stark verminten – Böden in „In der Erde“, Martina Priessners Porträt der Anwältin im NSU-Prozess Seda Başay-Yıldız in „Seda“ (AT) sowie Maik Lüdemanns dokumentarischer Essay über Vermögensungleichheit in „Totalverweigerer“ (AT).
In der siebten Sitzung erhielten drei Spielfilme Drehbuchförderung: Anna Brüggemanns Episodenfilm „Elfmal die Welt umrundet“ über die Beziehungsgeschichte eines Paares, Johanna Thalmanns und Moritz Binders Drama „She Chef“ aus der Welt der Sterneküche und Aslı Özges Drama „Wildcat“ über eine gegen die Benachteiligung migrantischer Arbeiter*innen kämpfende Aktivistin. Im Treatmentbereich wurden je drei Spiel- und drei Dokumentarfilmprojekte gefördert. Die Treatments zu fiktionalen Filmen sind Štěpán Altrichters kriminalistisches Psychodrama „Die Beschaffenheit der Zeit / Beneš“ (AT), Anna Wendts auf der wahren Geschichte der Schriftstellerin Dorothea Neff basierendes Drama „Dorothea“ und Sandra Nedeleffs Langfilmdebüt „Down Hunting“. Geförderte Dokumentarfilm-Treatments sind Jan Eilhardts Bericht aus der eigenen Familiengeschichte, „Beispielsweise Brigitte“, Susan Gluths und Charlotte Marie Peters‘ Untersuchung struktureller Gewalt gegen Frauen am Beispiel eines Falls aus Kanada, „The Rabbi’s Ex“, sowie Irene von Albertis Porträt des Widerstandskämpfers Werner Krauss, „Der gefesselte Romanist“ (AT).
Die Förderung im Detail:
Drehbuchförderung 6. Sitzung
REQUIEM FOR A SMALL-TOWN LAWYER
Autorin: Réka Kincses
Förderung: 50.000 Euro
Während der Beerdigung eines bekannten Menschenrechtsanwalts in einer transsilvanischen Kleinstadt gerät seine Familie in einen politischen Ausnahmezustand, in dem private Trauer und öffentliche Machtansprüche miteinander kollidieren.
STILL WAR DER SOMMER
Autor: Gabriel Bihina Arrahnio
Förderung: 50.000 Euro
Mit 19 fühlt sich Leo, ein afrodeutscher Jugendlicher, von seinen Eltern gedrängt, das Familiengästehaus zu übernehmen. Nur der Kampfsportclub bietet ihm Halt und eine Ahnung von Freiheit. Als der neue Aushilfsarbeiter Karim auftaucht, wird Leo mit verdrängten Gefühlen konfrontiert – und steht vor der Frage, wer er jenseits familiärer Erwartungen sein will.
Drehbuchförderung 7. Sitzung
ELFMAL DIE WELT UMRUNDET
Autorin: Anna Brüggemann
Förderung: 50.000 Euro
Ein ungleiches Paar im Lauf von 30 Jahren, beim Kennenlernen, mit erstem Kind, beim Streiten, Trennen und sich wieder finden – allerdings immer im Auto. Komprimiert auf diese paar Quadratmeter passiert ein ganzes Beziehungsleben.
SHE CHEF
Autor*innen: Johanna Thalmann, Moritz Binder
Förderung: 50.000 Euro
Als die aufstrebende Sterneköchin Agnes ihren Geruchssinn verliert, scheint ihr Traum vom eigenen Restaurant unerreichbar. Verzweifelt sucht sie nach einem Weg, ihre Schwäche zur Stärke zu machen. Doch der Mangel an Genuss isoliert sie immer weiter, bis die reine Nahrungsaufnahme zur Qual wird und das Verhungern zur realen Gefahr. Erst als Agnes die Hilfe von Nino, Kochkursleiter für Menschen ohne Riechsinn, sucht, gelingt es ihr, einen neuen Weg zu ihrem Lebenstraum zu beschreiten. Das Projekt erhielt bereits FFA-Treatmentförderung.
WILDCAT (AT)
Autorin: Aslı Özge
Förderung: 50.000 Euro
Die junge türkische Fabrikarbeiterin Elif will sich Anfang der 1980er-Jahre nicht länger mit der strukturellen Ungerechtigkeit abfinden, der Gastarbeitende in Deutschland täglich ausgesetzt sind. Sie kämpft um Gehör in der Fabrik, auf der Straße und in der Öffentlichkeit. Als ihre Stimme ungehört bleibt, geht sie bis zum Äußersten. Das Projekt erhielt bereits FFA-Treatmentförderung.
Treatmentförderung 6. Sitzung
DEUTSCHE POLIZISTEN 2 (AT)
Autorin: Aysun Bademsoy
Förderung: 17.500 Euro
Die Protagonisten aus „Deutsche Polizisten“ (1999) gehörten zu den ersten Polizisten mit migrantischen Wurzeln in der Berliner Polizei, waren Fremde, und ein unterschwelliger Rassismus war spürbar. Draußen auf Streife waren sie Verräter, die sich Deutschland anbiederten. 26 Jahre später haben sie Karriere gemacht. Am auffälligsten ist: Ihre Ehefrauen, Schwestern und Töchter sind Polizistinnen geworden. Sie sind Migrantinnen UND Frauen. Was erwartet sie draußen, auf Streife?
DIE ZOFE (AT)
Autorin: Lina Sieckmann
Förderung: 17.500 Euro
In einem modernistischen Haus oberhalb der Stadt lebt eine gefeierte Theaterregisseurin im Rollstuhl mit ihrer 24-Stunden-Assistentin. Was als professionelle Fürsorge beginnt, verdichtet sich zu einer Beziehung radikaler Nähe, in der Macht, Begehren und Abhängigkeit unauflöslich ineinandergreifen. Zwischen Körperarbeit, Architektur und künstlerischer Inszenierung verschwimmen Realität und Fiktion, und es stellt sich die Frage, wann Fürsorge leise in Kontrolle übergeht.
GOLDSTAUB (AT)
Autorin: Alexandra Sell
Förderung: 17.500 Euro
Der Dokumentarfilm möchte die unsichtbare Welt hinter Bauzäunen wie dem des Pergamonmuseums erforschen. Wer sind die Menschen, die alles geben für die Kulturdenkmale, mit denen Berlin sich so gern schmückt? Sie kommen aus aller Welt oder von nebenan. Doch wenn die Bauzäune fort und Reden zu halten sind, werden die Bauarbeiter*innen, Handwerker*innen und Restaurator*innen, die den Staub unter ihren Füßen tragen, längst im Walfischbauch der nächsten Baustelle verschwunden sein.
IN DER ERDE
Autorin: Natalija Yefimkina
Förderung: 17.500 Euro
Das Porträt eines Dorfes im Osten der Ukraine, das von verminten Flächen umgeben ist – in einem Land, das als das am stärksten verminte der Erde gilt. Im Zentrum stehen Menschen, die nach der Okkupation zurückkehren und ihre Felder wieder bewirtschaften, obwohl jeder Schritt lebensgefährlich sein kann.
NOT COMING OUT
Autor: Pascal Schuh
Förderung: 17.500 Euro
Stell dir vor, du gehst ins Kino und erlebst einen Film, der dein Leben für immer verändert. Doch als du das Kino verlässt, hat sich die Welt um dich herum radikal gewandelt – die Mauer ist gefallen. „Coming Out“ war der erste schwule Film der DDR – und der letzte.
PORÖS (AT)
Autorin: Katharina Lüdin
Förderung: 17.500 Euro
Drei Frauen in ihrer Lebensmitte navigieren durch Zeiten gesellschaftlicher Unruhen. Freundschaften werden porös, Gewissheiten brüchig, Selbstbilder bröckeln. Überall Risse, durch die mal Hingabe und mal Abneigung, mal Fürsorge und mal Scham sickert. Können sie in einem System, das zunehmend Spaltung begünstigt, gekittet werden?
SEDA (AT)
Autorin: Martina Priessner
Förderung: 17.500 Euro
Die Anwältin Seda Başay-Yıldız wird nach dem NSU-Prozess selbst zur Zielscheibe rechter Bedrohungen. Ihr Fall – vom „NSU 2.0“ bis zu polizeilichen Datenlecks und rechtsextremen Chats – steht exemplarisch für die Verletzlichkeit demokratischer Institutionen. Sedas Geschichte zwingt uns, die Frage neu zu stellen: Wie sicher ist der Rechtsstaat – und für wen?
TOTALVERWEIGERER (AT)
Autor: Maik Lüdemann
Förderung: 17.500 Euro
Braucht Deutschland Armut? Ein essayistischer Dokumentarfilm, der zwischen persönlichen Geschichten, politischer Analyse und gesellschaftlicher Kritik die Mechanismen hinter wachsender Armut und Ungleichheit aufdeckt.
Treatmentförderung 7. Sitzung
BEISPIELSWEISE BRIGITTE
Autor: Jan Eilhardt
Förderung: 17.500 Euro
Eine deutsche Mutter lehnt sich gegen das missbräuchliche Verhältnis zu ihrem eigenen Vater mit faschistischem Hintergrund auf, indem sie die queere Jugend ihres Kindes nutzt und unterstützt. So durchbricht sie den innerfamiliären Kreislauf der Gewalt, und transgenerationale Traumata beginnen zu heilen.
DIE BESCHAFFENHEIT DER ZEIT / BENEŠ (AT)
Autor: Štěpán Altrichter
Förderung: 17.500 Euro
Dr. Magdaléna Beneš wird in ein abgelegenes brutalistisches Hotel an der Ostsee geschickt, um einen rätselhaften Doppelmord an zwei berühmten Künstlern aufzuklären. Während sie in einem absurden Labyrinth aus männlichem Größenwahn, ihrem eigenen Ego und Synästhesie versinkt, öffnen sich die Pforten der Wahrnehmung und sie fängt an, ihr eigenes Erleben der Zeit zu hinterfragen.
DOROTHEA
Autorin: Anna Wendt
Förderung: 17.500 Euro
Wien 1944: Die deutsche Schauspielerin Dorothea Neff versteckt ihre jüdische Freundin Lilli Wolff in ihrer Wohnung. Beide sind aus Berlin nach Wien gegangen, im Glauben, dort sicherer zu sein. Aus einer spontanen Entscheidung wird ein jahrelanges Zusammenleben im Ausnahmezustand, voller Codes und absurder Routinen. Als Lilli an Krebs erkrankt, gerät ihr fragiles System an seine Grenzen.
DOWN HUNTING
Autorin: Sandra Nedeleff
Förderung: 17.500 Euro
Als Maya, eine für ihren Beruf zu alt gewordene Ballerina, erfährt, dass ihr lang ersehntes Wunschkind mit Down-Syndrom auf die Welt kommen wird, zerbricht ihre Illusion von der Geborgenheit einer heilen Familie. Als ihr eigentlich liebevoller Partner sie damit konfrontiert, dass er das Kind nicht annehmen kann, sucht Maya in der Mitte ihres Lebens nach neuen Werten, um wieder Boden unter ihren Füßen zu finden.
THE RABBI'S EX
Autorinnen: Susan Gluth, Charlotte Marie Peters
Förderung: 17.500 Euro
Nach ihrer Flucht aus einer chassidischen Gemeinschaft in Montreal überlebt Tanya häusliche Gewalt. Ihr ungeborenes Kind stirbt. Den Prozess gegen ihren Ex-Mann, einen Rabbi aus den USA, verliert sie. Sie kämpft um das Sorgerecht für weitere Kinder, baut sich als Krankenschwester und Unternehmerin ein neues Leben auf und entdeckt ihre sexuelle Freiheit. Ein Drahtseilakt zwischen Mutterschaft und Selbstbestimmung.
WERNER KRAUSS – DER GEFESSELTE ROMANIST (AT)
Autorin: Irene von Alberti
Förderung: 17.500 Euro
Als Mitglied der „Roten Kapelle“ verbrachte der Romanist Werner Krauss mehrere Monate in einer Todeszelle in Berlin-Plötzensee. Dort schrieb er, mit gefesselten Händen und in Erwartung seiner Hinrichtung, einen Roman gegen das NS-Regime. Die Gefangenschaft überstand er durch die Freiheit seiner Gedanken – mithilfe der Sprache überlebte er.
Die angegebenen Fördersummen enthalten jeweils 40.000 Euro Förderung bei den Drehbüchern und 15.000 Euro bei den Treatments sowie die Möglichkeit, bei Erforderlichkeit Beratungsleistungen zur Steigerung der Stoffqualität in Höhe von jeweils 10.000 Euro bzw. 2.500 Euro heranzuziehen.
Genderübersicht – Jurybasierte kulturelle Treatment- und Drehbuchförderung (6. und 7. Sitzung):
161 Anträge, davon
89 von/mit Beteiligung weiblicher oder non-binärer Autor*innen
19 geförderte Projekte, davon
15 von/mit Beteiligung weiblicher oder non-binärer Autor*innen
An der sechsten Sitzung nahmen Martin Hagemann, Meike Hauck, Nikolas Jürgens, Elena von Saucken und Nico Woche teil, die siebte war mit den Jurymitgliedern Martin Hagemann, Dr. Radmilla Mladenova, Heide Schwochow, Gabriele Sindler und Hüseyin Tabak besetzt.
Die nächsten Fördersitzungen der Jury für Entwicklungsförderung finden am 22. und 23. Juni sowie 6. und 7. Juli 2026 statt, Einreichfrist für die darauffolgende Sitzung im September ist der 7. Juli. Zur Übersicht der kommenden Einreich- und Sitzungstermine