Persönlich und politisch: 1 Million Euro kulturelle Filmförderung für neun Dokumentarfilme

Pressemitteilung vom 23.03.2026

In ihrer jüngsten Fördersitzung hat die Jury für Dokumentarfilme 800.000 Euro Produktionsförderung für vier Filme vergeben, fünf weitere Projekte erhielten 210.291,30 Euro Projektentwicklungsförderung. Somit wurden insgesamt neun Projekte mit 1.010.291,30 Euro gefördert.

Der Großteil der geförderten Dokumentarfilme beleuchtet soziale und politische Fragen mit unmittelbarer Anbindung an die Biografie der Filmemacher*innen und erzählt von persönlichen Erlebnissen mit gesellschaftlicher Tragweite. So befasst sich Cem Kaya in „Kebabträume“ mit Debatten zu Migration und Erinnerung, Britta Wauer in „Im Takt des Purzelbaums“ mit der Aufarbeitung eines wenig bekannten historischen Schicksals und Bianca Gleissinger in „Forbidden Fruit“ mit Körperwahrnehmung und Rollenbildern. Letztere sind auch Thema des projektentwicklungsgeförderten Tanzfilmprojekts „Leroy“ (AT) von Sandrine Orabona, während Gülseren Sengezer in „Dersim – 100+ Jahre Angst“ (AT) und Natalija Yefimkina in „Die Stimmen von Tschernobyl“ prägnante Ereignisse der eigenen Herkunftsgeschichte ins Zentrum rücken. Mit den physischen Überresten von Kriegen in Form von Munitionsabfall beschäftigt sich Julius Dommer in „Tallboy“.

2026 jähren sich die Todestage zweier prominenter Persönlichkeiten der deutschen Film- und Medienöffentlichkeit zum zehnten Mal: Im produktionsgeförderten „Grenzgänger Krug“ porträtiert Luzia Schmid den Schauspieler, Sänger und Schriftsteller Manfred Krug; der ebenfalls 2016 verstorbene Publizist und Moderator Roger Willemsen steht im Zentrum der Suche von „Rogers Enden“, die Michael Fetter Nathansky mit Projektentwicklungsförderung vorbereitet.

Die Förderung im Detail:

Produktionsförderung

GRENZGÄNGER KRUG
Produktion: Ester.Reglin.Film
Drehbuch und Regie: Luzia Schmid
Förderung: 300.000 Euro
Manfred Krug wurde im Osten wie im Westen zum Star. Ein Künstler, der sich gegen autoritäre Strukturen stellte, aber im Privaten ein Chauvinist war – großspurig, zärtlich, komisch, aber auch eine Nervensäge voller Widersprüche. Erzählt wird mit Archivmaterial aus sechs Jahrzehnten, mit einem weiblichen Blick von heute und im Bewusstsein, dass Widerständigkeit notwendig ist. Das Projekt wurde mit FFA-Referenzmitteln entwickelt. 

KEBABTRÄUME
Produktion: Film Five GmbH
Drehbuch und Regie: Cem Kaya
Förderung: 240.000 Euro
Ein dokumentarischer Essayfilm über zwei Männer mit demselben Vornamen: Cemal Kemal Altun und Cemal Kaya. Der eine ist ein politisch verfolgter Student, der andere Arbeitsmigrant und Vater des Filmemachers. Beide werden von denselben politischen, ökonomischen und administrativen Strukturen erfasst. Während Altuns Leben reich dokumentiert ist, existiert Kayas Geschichte vor allem in privaten Erinnerungen und Archiven. Der Film verbindet die Migrationsdebatten der 1980er Jahre mit der Gegenwart und fragt, wer sichtbar wird – und wer vergessen bleibt. Das Projekt wurde mit kultureller BKM-Stoffentwicklungsförderung sowie BKM-Filmpreismitteln entwickelt. 

IM TAKT DES PURZELBAUMS
Produktion: Britzka Film
Drehbuch und Regie: Britta Wauer
Förderung: 160.000 Euro
Die deutsch-jüdische Ausdruckstänzerin Anni Sauer leitete im hohen Alter ein ungewöhnliches Kinder-Ensemble in Ost-Berlin und bewahrte ein dunkles Geheimnis: Als junge Frau musste sie vor den Nazis nach Paris und weiter nach Moskau fliehen, geriet in den stalinistischen Terror und überlebte fast 20 Jahre unschuldig in sowjetischen Straflagern. Zeitlebens durfte sie nicht darüber sprechen. Jahrzehnte nach dem Tod der Tänzerin entdecken ehemalige Ensemblekinder – darunter die Regisseurin selbst – Briefe, Fotos und Dokumente und lassen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz die Welt der Anni Sauer lebendig werden. 

FORBIDDEN FRUIT
Produktion: HANFGARN & UFER
Regie: Bianca Gleissinger
Drehbuch: Bianca Gleissinger, Katinka Narjes
Förderung: 100.000 Euro
Dass mein Körpergewicht ein Thema in meinem Leben ist, das weiß ich wirklich nur, weil es mir gesagt wurde. Nicht aber von meinem Körper, sondern von Männern, von Frauen und von der Kultur, in der ich lebe. Ich kann die Diäten meines Lebens nicht mehr zählen, aber ich weiß, dass Diäten die einzige Sache sind, die ich wirklich schon immer mache. Hätte ich mit derselben Konstanz Geige gelernt, ich wäre Anne-Sophie Mutter. Das Projekt erhielt bereits FFA-Drehbuchförderung. 

Projektentwicklungsförderung 

LEROY (AT)
Produktion: BASIS BERLIN Filmproduktion GmbH
Drehbuch und Regie: Sandrine Orabona
Förderung: 65.000,00 Euro
Im Zentrum des Films steht die nicht-binäre schwarze Tänzer:in Leroy Mokgatle. Als das klassische Ballett in Europa entstand, war es stark von ethnischen Hierarchien und sehr spezifischen Geschlechterrollen geprägt, ein Tanzkörper wie der von Leroy war hier nie vorgesehen. Und dennoch ist Leroy Balletttänzer:in am Staatsballet Berlin. Gegen strukturelle Widerstände, normative Körperbilder und institutionelle Grenzen hat sich Leroy in eine der elitärsten Kunstformen der westlichen Kultur eingeschrieben und sie von innen heraus in Bewegung versetzt. 

DERSIM – 100+ JAHRE ANGST (AT)
Produktion: Autorenkombinat
Drehbuch und Regie: Gülseren Sengezer
Förderung: 64.791,30 Euro
Eine Reise durch drei Generationen – auf der Suche nach verschwundenen Gräbern, nach verdrängter Geschichte und einer eigenen Stimme. Kann man einer Angst entkommen, die älter ist als man selbst? Das Projekt erhielt bereits kulturelle Stoffentwicklungsförderung des Bundes. 

DIE STIMMEN VON TSCHERNOBYL
Drehbuch und Regie: Natalija Yefimkina
Förderung: 34.500,00 Euro
Der Film knüpft an die literarische Vorlage „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ der Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch an und verbindet unveröffentlichte Filmaufnahmen von Gesprächen mit Opfern der Reaktorkatastrophe mit heutigen Bildern aus der Sperrzone. 

ROGERS ENDEN
Drehbuch und Regie: Michael Fetter Nathansky
Förderung: 31.000,00 Euro
Im Kampf gegen seine eigene Hilflosigkeit versucht der Filmemacher Michael sein verstorbenes Idol, den einzigartigen Talkshowmoderator Roger Willemsen, wieder zum Leben zu erwecken. Dieses Vorhaben führt ihn auf eine kuriose Reise durch ein ebenso orientierungsloses wie dialogsehnsüchtiges Deutschland. 

TALLBOY
Drehbuch und Regie: Julius Dommer
Förderung: 15.000,00 Euro
Der Film begleitet den Versuch, 1,6 Millionen Tonnen versunkener Munition in Nord- und Ostsee mit einer weltweit einzigartigen Technologie zu bergen und folgt zwei ungleichen Bergungsspezialisten im politischen, technologischen und ökologischen Wettlauf um die Zukunft unserer Meere. Wie gehen wir eigentlich mit den Hinterlassenschaften aus Kriegen um? 

Genderübersicht – Jurybasierte kulturelle Produktionsförderung für programmfüllende Dokumentarfilme:
18 Anträge, davon
10 Projekte von/mit Beteiligung weiblicher oder non-binärer Autor*innen
9 Projekte von/mit Beteiligung weiblicher oder non-binärer Regisseur*innen
9 Projekte von/mit Beteiligung einer Produzentin

4 geförderte Projekte, davon
3 Projekte von/mit Beteiligung einer Autorin
3 Projekte von/mit Beteiligung einer Regisseurin
3 Projekte von/mit Beteiligung einer Produzentin 

Genderübersicht – Jurybasierte kulturelle Projektentwicklungsförderung für programmfüllende Dokumentarfilme:
18 Anträge, davon
11 Projekte von/mit Beteiligung einer Autorin
11 Projekte von/mit Beteiligung einer Regisseurin

5 geförderte Projekte, davon
3 Projekte von/mit Beteiligung einer Autorin
3 Projekte von/mit Beteiligung einer Regisseurin

An der Sitzung nahmen Melanie Andernach, Claas Danielsen, Annekatrin Hendel, Maximilian Moll und Ümit Uludag teil.

Die nächste Fördersitzung der Jury für Dokumentarfilm findet am 15. und 16. Juni 2026 statt, Einreichfrist ist der 14. April. Zur Übersicht der kommenden Einreich- und Sitzungstermine

Alle Förderergebnisse finden Sie hier.

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