Brotfrauen und wilde Jungs: 610.000 Euro kulturelle Entwicklungsförderung für Drehbücher und Treatments
Pressemitteilung vom 27.10.2026
Die Jury für Entwicklungsförderung hat 400.000 Euro Förderung für acht Spielfilm-Drehbücher und weitere 210.000 Euro Treatmentförderung für zwölf Projekte bewilligt, darunter sechs Dokumentarfilme. Insgesamt wurden 20 Filmprojekte mit 610.000 Euro gefördert. Acht der Projekte sind Debüts.
Zu den drehbuchgeförderten Projekten gehört das Drama „Erzähl es noch einmal“ von Arian Vazirdaftari, dessen aktueller Film „Die Nacht, in der Arezou verschwand“ auf den 60. Hofer Filmtagen Premiere feiert. Daneben wurden das Debüt von Paul Raatz „Wenn die Glocken läuten“, die Dramen „Fahne und Herz“ von Henning Beckhoff und „Another Twinflower“ von Lanxi Ruan sowie das moderne Märchen „Frau aus Brot“ von Anna Kruglova gefördert. Außerdem erhalten „Wild Boys“ von Rosebush-Pruning-Regisseur Karim Ainouz, die Komödie „Zivug“ von Tatjana Moutchnik und Ute Wielands „Sibir“ Drehbuchförderung.
Die sechs geförderten Dokumentarfilm-Treatments sind: „Por Soleá“, das Debüt von Miguel Buenrostro, „Darb“ von Raaed Al Kour, „Der Wert des Menschen“ (AT) von Johannes Büttner, „Last Standing Women“ von Talal Derki, Ginan Seidls „Between Seep and Sky (Ghir)“ und „Der Einstürzende Neubauten Film“ (AT) von Stefan Kauertz. Treatmentförderung erhalten auch das Roadmovie „Sun Haze“ von Viv Li, der Thriller „Role of a Lifetime“ von Arpana Aischa Berndt, die Dramen „Rusalka“ (AT) von Alina Yklymova und „Mit Offenen Augen schlafen“ von Eva Trobisch, Roman Gielkes Komödie „Hate or Glory“ (AT) und Feo Aladags „Lady Candy“.
Die Förderung im Detail:
Drehbuchförderung
ANOTHER TWINFLOWER
Drehbuch: Lanxi Ruan
Förderung: 50.000 Euro
Eine Frau ist auf Reisen und kann wegen des Jetlags nicht schlafen. Zwischen Korea und Lissabon führen Begegnungen sie immer wieder ans Meer, aber nicht zurück.
ERZÄHL ES NOCH EINMAL
Drehbuch: Arian Vazirdaftari
Förderung: 50.000 Euro
Das Projekt erhielt bereits kulturelle Treatmentförderung des Bundes.
Als die junge Schauspielerin Marie vermutet, dass ihre Rolle im Stück ihres Partners Noah von dessen früherer iranischer Partnerin Ghazal inspiriert ist, beginnt sie, die Grenze zwischen Text und Wirklichkeit zu hinterfragen. Dieser Weg führt sowohl ihre Beziehung zu Noah als auch die Aufführung in eine unvorhersehbare Krise.
FAHNE UND HERZ
Drehbuch: Henning Beckhoff
Förderung: 50.000 Euro
Das Projekt erhielt bereits kulturelle Treatmentförderung des Bundes.
Noah liebt Rico, aber Rico gehört zu den Heidefalken. Um ihm nahe zu sein, unterwirft Noah sich ihren Regeln, bis er Anerkennung gewinnt und dabei genau die Nähe zerstört, nach der er gesucht hat.
FRAU AUS BROT
Drehbuch: Anna Kruglova
Förderung: 50.000 Euro
Ein einsamer Bäcker formt aus Brotteig die ideale Frau. Als sie auf mysteriöse Weise zum Leben erwacht und beginnt, ihre eigene Identität zu suchen, erkennt sie, dass sie lediglich aus den Erwartungen anderer Menschen besteht – während ihr Körper langsam wie altes Brot zerfällt.
SIBIR
Drehbuch: Ute Wieland
Förderung: 50.000 Euro
Eine deutsch-kasachische Familiengeschichte. Vater und Tochter spiegeln sich. Tragikomisch berührend wird von Trauma, Entbehrungen, Poesie und Mythen erzählt. Eine bunte Generationenerzählung aus der Sibirischen Steppe. Leila, 45, verwebt verdrängte Geschichten um die bewegende Kindheit ihres Vaters Josef in Zentralasien 1945 mit ihrer eigenen Jugend, um ihn und sich selbst besser verstehen zu können. Wie verändern Grenzerfahrungen die Gene nächster Generationen?
WENN DIE GLOCKEN LÄUTEN
Drehbuch: Paul Raatz
Förderung: 50.000 Euro
Das Projekt erhielt bereits kulturelle Treatmentförderung des Bundes.
Es war einmal der Wilde Westen im Osten. Im Sommer ‘99 wirft das Verschwinden eines Kindes Fragen auf, denen sich die beste Freundin, der ärgste Feind und die große Schwester stellen müssen. Ein explosives Gemisch aus Ohnmacht und Gewalt lässt die blühenden Landschaften zu einem schonungslosen Plattenbau-Canyon verkommen, in dem das Gesetz des Stärkeren herrscht und seinen Tribut fordert.
WILD BOYS
Drehbuch: Karim Ainouz, Florian Gärtner
Förderung: 50.000 Euro
Das Projekt erhielt bereits kulturelle Treatmentförderung des Bundes.
Berlin, 1933. In den Wäldern vor der Stadt lebt eine anarchische, queere Jugendgang aus Strichern und Straßenjungen mit ihrem Anführer Winnetou (18) nach nur einem Gesetz: wild-frei. Als die Nazis die Schlinge enger ziehen, wagen sie einen letzten großen Einbruch in die Villa von Winnetous gefährlichstem Freier, einem hochrangigen SA-Führer. Doch der Coup, der ihre Flucht finanzieren soll, zieht Winnetou immer tiefer hinein — in genau das System, das sie vernichten will.
ZIVUG
Drehbuch: Tatjana Moutchnik, Geoffroy Grison
Förderung: 50.000 Euro
Das Projekt erhielt bereits kulturelle Treatmentförderung des Bundes.
Maja und Eli teilen alles: ihr Leben, ihren Buchverlag und ihren neurotischen jüdischen Humor. Weil Eli Kinder möchte und Maja nicht, beschließen sie einvernehmlich, sich zu trennen. Im Laufe eines jüdischen Kalenderjahres versuchen sie, ohneeinander zu leben und sich auf ihre Karrieren und Familienplanungen zu konzentrieren. Aber es ist nicht so einfach, sich von seinem Seelenverwandten zu trennen, oder?
Treatmentförderung
BETWEEN SEEP AND SKY (GHIR)
Treatment: Ginan Seidl
Förderung: 17.500 Euro
Between Seep and Sky folgt Bitumen — dem schwarzen, zähflüssigen Material, das seit Jahrtausenden aus dem Boden zwischen Euphrat und Totem Meer tritt — durch beduinische Handelsnetzwerke, islamische Gelehrtentradition, die Entstehung der Fotografie und die koloniale Ressourcenlogik bis heute. Bitumen wird erhitzt, belichtet, auf Analogfilm gefilmt, sein Zustand in Klang übersetzt. Ein Essayfilm, der zeigt, wie tief Vergangenheit und Gegenwart dieser Region ineinander stecken.
DARB
Treatment: Raaed Al Kour
Förderung: 17.500 Euro
Der Dokumentarfilm „Darb“ beginnt mit einer persönlichen Tragödie: Vor 14 Jahren wurde Freund Youssef anstelle des Autors in Syrien verhaftet und verschwand. Dies ist der Auftakt einer filmischen Suche, die vom individuellen Verlust zur kollektiven Dimension von über 300.000 Verschwundenen führt. Auf zwei Ebenen verwebt der Film die investigative Spurensuche mit dem quälenden Warten der Familien und der Beweissicherung an Massengräbern. Ein beobachtendes Zeugnis, das die Opfer würdigt.
DER EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN FILM (AT)
Treatment: Stefan Kauertz
Förderung: 17.500 Euro
Im Jahr 2030 feiert die weltweit bedeutendste deutsche Avantgarde Band, die Industrial-Pioniere der Einstürzenden Neubauten, 50-jähriges Bühnenjubiläum – eine lange Reise voller musikalischer Neuerfindungen. Neben den Mitschnitten aktueller (Live-)Aktivitäten öffnet Bandleader und Bundesverdienstkreuzträger Blixa Bargeld erstmals sein bisher unveröffentlichtes Archiv von tausenden Stunden Videoaufnahmen.
DER WERT DES MENSCHEN (AT)
Treatment: Johannes Büttner, Julian Vogel
Förderung: 17.500 Euro
Silvio arbeitet in einer so genannten „Werkstatt für behinderte Menschen“. Gemeinsam mit seinen Kolleg*innen inszeniert er seinen Arbeitsalltag an einem Studio-Set nach. So entsteht ein partizipativer Dokumentarfilm, der fragt, was die Lebensrealitäten und Perspektiven derer, die als „behindert“ kategorisiert werden, über unsere Vorstellungen von Produktivität, Normalität und den Wert des Menschen erzählen.
HATE OR GLORY (AT)
Treatment: Roman Gielke
Förderung: 17.500 Euro
Der behinderte Ex-Maler Marten entdeckt in den Mails eines Internetfreundes die Ankündigung eines Anschlags auf eine Berliner Grundschule. Zusammen mit seiner Assistentin Nikia versucht er vergeblich, die Polizei zu warnen. Als die Tat tatsächlich geschieht, kreuzen sich ihre Wege mit dem Inklusionsassistenten Julian und seiner Schülerin Kira. Eine Tragikomödie über Selbstbilder, Ausgrenzung und die Absurdität gesellschaftlicher Wirklichkeit.
LADY CANDY
Treatment: Feo Aladag, Paola Calvo, Patrick Jasim
Förderung: 17.500 Euro
Ciudad Juárez. Valeria, Anfang zwanzig, wäscht tagsüber im Bestattungsinstitut die Toten, nachts kämpft sie als Luchadora Lady Candy im Wrestling-Ring. Ihre Töchter leben jenseits der Grenze in den USA bei ihrem gewalttätigen Ex-Mann. Ein Visum ist unerreichbar. Als sie alles riskiert, um zu ihnen zu gelangen, erkennt sie: Der eigentliche Gegner ist nicht ein einzelner Mann, sondern ein Muster, das sie seit ihrer gewalttätigen Kindheit Liebe nennt - und das nur sie selbst durchbrechen kann.
LAST STANDING WOMEN
Treatment: Talal Derki
Förderung: 17.500 Euro
„Sein oder Nichtsein" – die letzten 1.500 Kämpferinnen der YPJ stehen vor einer ungewissen Zukunft, denn die neue konservative Regierung Syriens duldet keine Soldatinnen in der Armee und verlangt, dass sie ihre Waffen niederlegen.
MIT OFFENEN AUGEN SCHLAFEN
Treatment: Eva Trobisch
Förderung: 17.500 Euro
Zwei Frauen treffen sich in einem Hotel am Bosporus. Die eine ist deutsche Botschafterin in der Türkei, die andere hat türkische Wurzeln und lebt in Berlin. Die eine ist Gast in diesem Hotel, die andere ist für die Unterhaltung der Hotelgäste zuständig. Sie werden herausfinden, dass beide eine Beziehung zu ein und demselben Mann führen, dieser Mann allerdings bei jeweils beiden ein gänzlich anderer Mensch ist.?
POR SOLEÁ
Treatment: Miguel Buenrostro
Förderung: 17.500 Euro
Por Soleá verfolgt die transatlantische Reise der Musik zwischen Spanien und den Amerikas, durch Lieder, Sänger:innen und Instrumentenbauer:innen, deren Traditionen seit fünf Jahrhunderten den Atlantik überqueren. Ein dokumentarischer Essay, der Migration durch den Klang denkt, ausgehend von Archivaufnahmen, die er zu den diasporischen Gemeinschaften beider Ufer bringt, eine hörende Reise auf den Hin- und Rückwegen kolonialer Routen, die bis heute nachklingen.
ROLE OF A LIFETIME
Treatment: Arpana Aischa Berndt, Raquel Dukpa
Förderung: 17.500 Euro
Schauspielerin Nia wird von dem Filmstar Leonard vergewaltigt und verdrängt es, um sich auf ihre Karriere zu konzentrieren. Nias Zwilling Fee, ebenfalls Schauspielerin, will ihm Einhalt gebieten und zeigt ihn an – ohne Nias Zustimmung. Fee eignet sich die Gewalterfahrung ihrer Schwester an und spielt vor Gericht die Rolle ihres Lebens: das perfekte Opfer. Doch das gibt es gar nicht. Es wird schnell klar: Gericht und Öffentlichkeit werden der Person Recht geben, die am besten performt.
RUSALKA (AT)
Treatment: Alina Yklymova
Förderung: 17.500 Euro
An einer Raststätte in Deutschland lebt Lea in dem von ihrer Mutter und Großmutter geführten Familienbetrieb, einem Transitort zwischen Fürsorge, Kontrolle und kriminellen Geschäften. Als sie sich in den jungen Durchreisenden Mirko verliebt, öffnet sich für sie die Möglichkeit eines anderen Lebens. Mirko jedoch ist der Sohn jenes Mannes, dessen Tod die Familie seit Leas Kindheit verschweigt. Mit ihm kehren Leas Erinnerungen an Missbrauch und ein verdrängtes Familiengeheimnis zurück.
SUN HAZE
Treatment: Viv Li
Förderung: 17.500 Euro
Eine deutsche Fotografin und ein chinesischer Stringer geraten in die nebligen Landschaften des postindustriellen Chinas und entdecken dabei eine zerbrechliche Welt zwischen Nostalgie und Verfall. Trotz ihrer gegensätzlichen Kulturen und Ideale bleibt den beiden Fremden nichts anderes übrig, als eine vorübergehende, aber innige Verbindung einzugehen, die noch lange nach dem Ende dieser unvorhersehbaren Reise nachwirkt.
Die angegebenen Fördersummen enthalten jeweils 40.000 Euro Förderung bei den Drehbüchern und 15.000 Euro bei den Treatments sowie die Möglichkeit, bei Erforderlichkeit Beratungsleistungen zur Steigerung der Stoffqualität in Höhe von jeweils 10.000 Euro bzw. 2.500 Euro heranzuziehen.
Genderübersicht – Jurybasierte kulturelle Treatment- und Drehbuchförderung (10. und 11. Sitzung):
109 Anträge, davon
54 von/mit Beteiligung weiblicher oder non-binärer Autor*innen
20 geförderte Projekte, davon
10 von/mit Beteiligung weiblicher oder non-binärer Autor*innen
An der zehnten und elften Sitzung nahmen in jeweils unterschiedlicher Besetzung Dr. Sun-Ju Choi, Martin Hagemann, Meike Hauck, Behrooz Karamizade, Heide Schwochow, Elena von Saucken, Saralisa Volm und Nico Woche teil.
Die nächsten Fördersitzungen der Jury für Entwicklungsförderung finden am 1. und 2. Dezember, am 15. und 16. Dezember 2026, sowie am 19. und 20. Januar 2027 statt, Einreichfrist für die darauffolgende Sitzung im April/Mai ist der 29. Januar 2027.